Românii beau vin? şi nu mai vin (Die Rumänen trinken nur Wein?und kommen nie mehr zurück !)
Anni-Lorei Mainka
 

Der Oberst begann, allwissentlich zu lächeln, er wußte ja, wovon ich sprach. Seine Ruhe gab mir Mut, ihm brav wie eine Prämiantin zuzuhören. Er reichte mir die Papiere ein, diktierte mir, wie die ausgefüllt werden sollten, und riet mir, davon niemandem etwas zu sagen, meinem Vater überhaupt nichts, sonst würde ich seine schriftliche Genehmigung brauchen... ?Und wenn du dann hier auf meinen Kollegen stießest, wäre das sehr sehr schlimm...?  Die einzige Konstante war die Angst, die gedieh, alles Andere wurde von der Relativitätstheorie verschlungen. Die Hoffnung meines Jugend, jede Gewissheit, womit ich den Weg meines Lebens begonnen hatte, zerrißen nun nacheinander. Alle wollten eine Veränderung, doch alle mimten das Gegenteil.

Es war schon ein Jahr, seitdem ich jeden Donnerstag in der N. Iorga Straße Vlad Cândea traf, den Sohn des Schriftstellers, dessen Reiseberichte ich jahrelang bewundert hatte. Wir standen beide schlange, draußen auf dem gepflegten Fußsteig, bestachen den Portier, sogut wir konnten (manchmal auch nur mit 100 g Salami!), und so kriegten wir unsere Audienz. Die Audienzen waren eine seltsame Art von Zusammentreffungen vieler beängstigten, hoffnungslosen Leuten; darunter Informatoren, Naive, Spekulanten, Leute aus allen Sozialschichten, Rentner, jünge Mädchen, die verschiedene ?Personen? in verschiedenen Ländern geheiratet hatten. Es wurde laut gesprochen in dieser Ansammlung, alle machten Lärm. Der Oberst schien, Vlad und mich zu sympathisieren, denn entweder blinzelte er uns freundlich zu, oder dann fuhr uns grob an, laut eines fachmänischen Rituells selbstverständlich: so schickte es sich!

Irgendwie gab er uns die Hoffnung, wir würden es noch ?zur Zeit? schaffen: noch jung, noch hoffnungsvoll würden wir zurückkommen, alles Verlorene wiedergewinnen, unser Leben neu wiederaufbauen. Dieses Leben, das uns (aus Gründen, wovon wir unser Kommen auf die Welt in einem ?unpassenden? Moment verantwortlich machten) unerfüllt, gestockt, ohne irgendeinen hellen Beweggrund schien!

Nach Vlads Tod und nach dem Verschwinden einiger Bekannten, das ich nicht verstand, begann ich, eine immer größer Angst vor der Zukunft zu spüren, so daß ein paar Monate später mein Leben von Tag zu Tag immer bedruckender wurde. Die Fehler, die ich am Anfang wegen mangelnder Information gemacht hatte, meine Unwissenheit, was die wirkliche Lage des sogenannten ?meinen Landes? betraf , verzögerten mit zwei Jahren den Augenblick meiner Auswanderung. Die Naivität wurde von meinen Eltern am besten erhalten. ?Hier geht es dir ja gut, keine Entbehrungen leidest du, oder?? Nun hatte ich auch die Freiheit, durch das ganze Land zu Reisen, wie und wie oft ich wollte; und dann die Freuden, die behaupteten, ich möge draußen, unter Fremden Leuten, ?gar nicht? allein auskommen können ? all das behinderte mich, meine Gedanken nur mit der Auswanderung als Brennpunkt zu beschäftigen.

Ich lebte fort in einem Bukarest voll kultureller Ereignisse, die mir und den wenigen mir treu gebliebenen Freuden gegung waren. Unser dringendster Wunsch war, einmal Paris und einmal Venedig zu sehen. Das war uns aber nicht erlaubt, es war verboten. Wer hätte damals geglaubt, ich wäre zurückgekommen?! Und 1992 glaubten mir desto weniger, daß ich bleiben wollte. Ich besuchte die Kinemathek, laß ungeheuer viel, lieh Bücher (manche sogar verbotene, im Austausch gegen Zigarettenschachteln) von allen Bibliotheken in der Stadt.

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