Românii beau vin? şi nu mai vin (Die Rumänen trinken nur Wein?und kommen nie mehr zurück !)
Anni-Lorei Mainka
 

Die Naivität hab? ich später teuer bezahlt. Viele, die ich in Bukarest kennengelernt habe, deren auf den Fluren der Universität oder auf einer Terasse im Zentrum leise eingeflüsterten Geschichten ich geglaubt habe, hab? ich dann hier bei verschiedenen Gelegenheiten wiedergesehen, doch nicht nur heuchelten sie jetzt, das Heimat vergessen zu haben, sondern einige sprachen mir nur deutch zu, indem sie von mir forderten, niemandem zu verraten, wie sie damals zu Hause gelebt haben, nun hatten sie hier nämlich andere Namen und sogar neue Eltern...

Vor dem Abfahrt gab ich eine kleine Party. Wir tranken Wein, aßen Bratwürstchen (mititei) und Fleischklöschen. Nachdem alle Gäste weggegangen sind, hab?ich mein Telefonnotizbuch und mein Tagebuch nicht mehr finden können. Es blieb mir nicht genug Zeit, fortzusuchen. Mein damaliger Freund hat inzwischen natürlich einen anderen Namen, andere Verwandten, eine neue Identität, und meine verlorene Tagebücher sind inzwischen wer weiß wo. Was ich sicher weiß, ist daß alle meine damalige Privatschüler danach angerufen wurden, und man fragte sie, was für eine Beziehung sie mit mir hatten. Doch sie waren sehr Glücklich, meine Privatschüler, denn sie kamen von reichen Familien, ihre Eltern hatten genug Geld, um den Kindern Privatstunden zu bezahlen, und auch manche ?wichtige Beziehungen?hatten sie...

Ich fuhr allein vom Nord-Bahnhof ab,wo meine Mutter und ein paar Lyceumskollegen mich begleitet hatten. Nur einer erzählte mir später, natürlich hier im Westen, wie er damals von der Sekurität besucht, dringend gefragt würde, welche unsre Beziehung gewesen wäre. Er fragte mich nun, ob ich ja oder nicht Judin war, ob ich damals Parteimember gewesen... Ich lachte: schon viele Jahre waren seit der Revolution vorbei, die Revolution hatte mir das Vertrauen in die neue Freiheit geschenkt, und ich sagte ihm, die Sekurität wußte doch am besten, wer ich war, sie hatten mich alles und nicht nur einmal befragt... Er sah mir mit Verdacht zu, schien etwa enttäuscht und verwirrt, da ich ihm nichts Neues sagen konnte von dem Leben, das wir doch mehr als ein Jahrzent zusammen gelebt hatten.

Mag sein, jene Sekurität, die mir damals nicht näher kommen konnte, obwohl sie sich in der Straße so oft an mich anklammerte, meine Ausweiskarte forderte, oder eine Prüfung meiner Beschäftigung als Arbeiterin ? wärend ich Studentin war! -, die mich zu verschiedenen Adressen einlud, jene Sekurität also arbeitete leiser fort durch einige Informatoren, von ihr in der weiten Welt verstreut und vergessen. Bedrohungen, die glücklicherweise ohne Folgen geblieben sind... Ich versuchte, mich selbst zu überzeugen, daß alles ein großes Mißverständnis war, da ich nichts gemacht hatte. Was ich nicht wußte, war: so geschah vielen Leuten, mein Leben war keine Ausnahme. Nur einige furchteten gar nichts, andere zu viel. Einige haben sich ?schön eingerichtet?, andere aber haben zu viele Zeit verloren, indem sie Furcht vor den sogennanten Folgen der ?zufälligen Begegnungen? hatten. Ein sehr genau geregeltes Einschüchterungssystem, würde man zum ersten Blick sagen, worin man irregehn und wie ein Kind in einem Labyrinth sich verlieren kann. Eine verlorene Jugend, indem sie wirklich gezählt hatte auf eine unwirkliche Welt.

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