Românii beau vin? şi nu mai vin (Die Rumänen trinken nur Wein?und kommen nie mehr zurück !)
Anni-Lorei Mainka
 

Als meine Bekannten nun endlich sicher waren, daß ich bald auswandern werde, mochten sie jetzt mich alle wieder, und suchten sogar meine Freundschaft. Auch hier haben kleine Fehler ernste Folgen gehabt. Zu viele Zeit mit Menschen verschwendet, die nur dazu die Auswanderung sich wünschten, damit sie schließlich ein Auto und ein Video kriegen. Wie viele Sorgen, wie viele Pakete, wie oft geschickte, nur um Sympatien zu behalten! Ich freue mich, einigen wieder inzwischen vertrauen zu können, zwar ist nun mehr als ein Jahrzehnt vorbei. Zu allerletzt erreichen wir vielleicht genau das, was wir verdienten, und niemand kann, seine ganze Vergangenheit hinter einen unsichtbaren Vorhang verstecken, weder unter deutsche Namen, noch unter eine perfekt gelernte Sprache, und unter manche Schirmbeschäftigungen auch nicht. Zwar kann das Geld, einen oder anderen verändern, ihm die Möglichkeit geben, Länder zu sehen mehr als die Vielen, die nicht genug Geld haben. Doch irgendwo tief bleibt man ein armer Teufel mit einem Mercedes, ein paar Videos, und nur jene, die ihn nicht kennen, glauben ihm noch.

Erst jetzt habe ich verstanden, daß alle werden, was sie schon immer sind, egal ob unter einer Diktatur oder in einem freien Land; und in einer beschließenden Lage, wie Dostojewsky in seinem Schrift Erinnerungen aus dem Totenhaus sagte, im Gefängnis oder vor dem Blutgerüst sind wir ? volens nolens ? wir selbst. Nun fühle ich mich befreit!

Ist man gut, dann bleibt man gut; will man tun, dann tut man tüchtig; und wer  ein lauter Informator mit Geld und Häusern ?im Zentrum?gewesen, der bleibt eben ein einfacher Häuser besitzer.

Deutschland ist nun mein Vaterland, es ist ja das Land des Vaters für alle Deutschen, rumänisch ?Patria?. Für mich stimmt das im eigentlichen und auch im bildlichen Sinne. Ein herrschliches Land, gastfreundlich mit ein Bißchen Mühe, schwer zu befriedigen für viele, wo man Geduld braucht und ungeduldig wird ? dieser Relativismus, von dem ich noch nicht los bin, der mich oft gemacht hat, es verlassen zu wollen. Es schickt sich die Wanderschaft dem Wanderer, doch am besten ist zu Hause. Und mit etwa Geduld fühle ich mich hier am Rheinufern irgendwie zu Hause, in einem Viertel, das mit ein Bißchen Phantasie bukarester sein könnte. Wenigstens im Dämmerlicht. Es duftet manchmal nach Akazie oder Linden, der Staub wächst in den lätzten Jahren, es ist nicht mehr so sauber wie früher und, wenn die Spatzen selten sind, und wenn man gar keine Schwalbe findet, es gibt dafür Tauben, Seeschwalben und im Winter auf dem vereisten See im Stadtzentrum ein paar Enten und Schwanen. Es ist nicht wie in Herestrău oder in Cişmigiu, aber es könnte sein. Die Farben unserer Jahreszeiten fehlen mir und der Duft frisch geplügtes Ackerfeldes, aber der Mensch gewöhnt sich an vieles, und wir sollten sogar zufrieden sein, solange wir noch etwas haben, woran zu verzichten. Nun bin ich mit meinen Erinnerungen froh, mit meinen Büchern, bin froh, dann und wann den Weg zu finden, der mich zu jenen Weltecken führt, wo es gut ist, wo es wie zu Hause oder ungefähr so ist.

Rumänien, wie ich höre, lebt nun sogar mit weniger, paßt sich an, bleibt eigentlich, was es immer war: relativ und geduldig wie die Geschichte, wodurch es hingegangen. Also muß ich nun sehen, wie ich fortleben soll, zwischen Wirklichkeit und ?Möglichkeit?, mit all dieser Phantasie, die ich in meinem Gepäck mitgeschleppt habe, in jenem Gepäck, das mir 1986 an der Grenze mit Akribie kontrolliert wurde; mit der Freude, die ich am echten englischer Tee habe, und mit dem Versuch, die rumänischen Bände ? vor meinem Abfahrt mit großer Mühe fortgeschickt ? zu lesen, die vom Verkauf auf dem Flohmarkt noch gerettet wurden, denn meine Verwandten hier wollten mich von allem befreien, ich hätte nähmlich Verkäuferin in einem Wahrenhaus werden sollen.

Ich entfloh meinen Verwandten wie damals jenen ?Freuden?, die alle mich gern hatten, sobald ich nach Deutschland auswandern wollte.

Und seidem ich auch Venedig und Paris gesehen habe, in England gelebt und Nordeuropa besucht ? in aller Ruhe und nicht von Reisebüros überorganisiert -, glaube, die Wünschen jener 20järigen-Ich von damals erfült zu haben, also darf ich behaupten: es ist nun gut, auch ohne jeden Recht zum Arbeitslosengeld, indem ich freiberuflich und nicht so gut versichert bin, doch ist es gut, auch ohne Mercedes oder elektronische Küche. Es ist gut, von den bukarester Straßen zu träumen und, wenn ich einem mit dem Buchstaben MH angezeigten Auto sehe, zu denken, ob es nicht etwa von Mehedinţikomme, obwohl ich nur in Mehedinţinimmer war, und werde vielleicht nie mehr fahren!

Űbersetzung von Maria Magdalena Anghelescu

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